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Hintergrundinformationen
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Bildmotiv vom MRSA in 20000-facher Vergrößerung

Hintergrund

Der Wundkeim Staphylococcus aureus verursacht weltweit die meisten im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Besonders kritisch sind dabei Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA), für die es nur noch wenige Möglichkeiten einer antibiotischen Therapie gibt. Aus der Literatur ist bekannt, dass das Auftreten von MRSA direkt mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert ist. Zudem besteht durch im Krankenhaus erworbene MRSA-Infektionen und MRSA-Bakteriämien (Blutvergiftung) im Vergleich zu Methicillin sensiblen S. aureus eine signifikant erhöhte Letalität. Neben verlängerten und schwereren Krankheitsverläufen bedeutet das Auftreten von MRSA äußerst arbeitsaufwendige und für die Krankenhäuser sehr teure Konsequenzen, im Extremfall die Schließung ganzer Stationen. Nosokomiale Infektionen mit MRSA führen zu einer deutlich verlängerten Liegedauer der Patienten sowie zu Mehrkosten aufgrund notwendiger Hygienemaßnahmen (z.B. Isolierung im Einzelzimmer) und der eingeschränkten Therapiemöglichkeit mit nebenwirkungsreichen (z.B. Vancomycin) und teuren Antibiotika (z.B. Linezolid). Engemann et al., 2003 beziffern die zusätzlichen durchschnittlichen Kosten bei MRSA Wundinfektionen auf 92.363 $. Die zunehmende Behandlung schwerstkranker Patienten und die steigende Zahl aufwendiger medizinischer Maßnahmen verschärfen diese Situation zusätzlich. Bei zunehmend leeren Kassen in unserem Gesundheitssystem könnte dies zu kaum mehr lösbaren Konflikten führen. In Deutschland wurde in den letzten 10 Jahren ein Anstieg der MRSA-Prävalenz von 2% auf ca. 25% aller S. aureus Isolate beobachtet.

In den Niederlanden und Skandinavien hält sich der Anteil seit Jahren stabil auf unter 3%. Das Auftreten von MRSA ist nicht schicksalhaft. Insbesondere in den Niederlanden zeigt sich deutlich, dass ein konsequentes Vorgehen nach dem Prinzip "search and destroy", MRSA auf einen geringen Restanteil zurückdrängen lässt. In vielen anderen Ländern, in denen keine Anstrengung gemacht wird die nosokomiale Ausbreitung von MRSA zu verhindern, übersteigt die MRSA-Rate zum Teil 80%. In solchen Krankenhäusern treten auch MRSA auf, die gegen alle verfügbaren Antibiotika resistent sind. Dies ist z.B. der Fall in Japan, wo teilweise bis zu 30% der MRSA als nicht mehr spezifisch therapierbar gelten. Ebenso gibt es Beschreibungen von nicht mehr therapierbaren MRSA aus den USA.

Die Tatsache, dass Expertenkreise mit keiner entscheidenden Neuentwicklung von antibiotischen Wirkklassen in den nächsten 20 Jahren rechnen, ist zudem besorgniserregend. Hinzu kommt, dass auch andere Bakterien, ähnlich den MRSA eine Multiresistenz entwickeln (Vancomycin resistente Enterokokken, Extended Spectrum Beta-Laktamase Resistente Bakterien). Die Strukturen eines Netzwerkes zur Prävention gegen MRSA werden auch zur Eindämmung anderer multiresistenter Bakterien nutzbar sein. Wichtig ist hierbei, dass MRSA nicht immer als de novo Genese aus sensiblen S. aureus entstehen, sondern eine geringe Anzahl von resistenten Klonen durch Selektion entstanden und sich von Person zu Person weltweit ausbreiten. MRSA verhält sich bei ungenügender Hygiene wie eine sich unbemerkt, jedoch epidemieartig ausbreitende Infektionskrankheit. Die einzige Methode, um das MRSA-Problem in den Griff zu bekommen ist ein konsequentes "search and destroy"- Programm, dass sich an die rigorose Umsetzung von Hygienerichtlinien und rationalen antibiotischen Therapieempfehlungen hält und die gleichzeitige Aufklärung des Personals im Gesundheitswesen sowie der übrigen Bevölkerung zur Grundlage hat.

Quelle: Engemann J.J., Carmeli Y., Cosgrove S.E., Fowler V.G., Bronstein M.Z., Trivette S.L., Briggs J.P., Sexton D.J., Kaye K.S. 2003. Adverse clinical and economic outcomes attributable to methicillin resistance among patients with Staphylococcus aureus surgical site infection. Clin. Infect. Dis. 36:592-598.

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Community acquired CA-MRSA – Die Neue Gefahr

Die Dimension des Problems wurde kürzlich dramatisch verschärft durch das Auftreten von MRSA-Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses erworben wurden (CA-MRSA). Letztgenannte stellen eine neue Stufe der Gefahr für die Bevölkerung sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden dar, da sich die bisherigen Anstrengungen zur Bekämpfung von MRSA in beiden Ländern auf die Krankenhäuser konzentrierten. CA-MRSA sind in der Lage auch bei gesunden Menschen außerhalb von Krankenhäusern schwere Infektionen zu verursachen, die in einigen Fällen tödlich enden können (z.B. nekrotisierende Pneumonien). Zusätzlich wird durch neuere Studien deutlich, dass der Anteil an MRSA auch außerhalb der Krankenhäuser ansteigt und in Arztpraxen, ambulanten Dialyseeinrichtungen sowie Alten- und Pflegheimen zu großen Problemen führt. Daher muss es zu einer Ausweitung der Maßnahmen auf den so genannten vor- und nachstationären Bereich kommen. Früher oder später werden mit CA-MRSA besiedelte Menschen in Krankenhäuser aufgenommen und verschärfen dann dort die bereits schon bestehende MRSA-Situation. Das größte Hindernis hierfür ist bisher die fehlende Aufklärungsarbeit und die unzureichende Koordination der Hauptakteure im Gesundheitswesen, der fehlende Abgleich der Vorgehensweisen, die aus organisatorischen oder finanziellen Gründen fehlende konsequente Nachbetreuung nach Entlassung aus dem Krankenhaus sowie die oft unzureichende infektiologische Versorgung von MRSA Patienten. [Weitere Erläuterungen des Robert-Koch-Institutes (RKI)]

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