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Status quo der Projektziele
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Bildmotiv vom MRSA in 20000-facher Vergrößerung

1. Status quo: Netzwerk / "Runder Tisch"

Die Koordinatoren haben einen "Runden Tisch" etabliert. An diesem werden die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens der Region mit dem Thema MRSA konfrontiert. Jeweils deutsche und niederländische Vertreter führen den Erfahrungsaustausch zu dem Themenkomplex MRSA unter der Leitung der Koordinatoren. Früh eingebunden wurden die Hygienebeauftragten Arztinnen oder Ärzte der Krankenhäuser und Hygieneexperten der wichtigsten regionalen Laboratorien.

Bild von einem Treffen der KoordinatorenrundeDie Aufgabe des "Runden Tisches" ist es, die unterschiedliche MRSA Situation in Twente-Achterhoek und Münsterland zu analysieren und eine gemeinsame Vorgehensweise bei MRSA in der Region zu erarbeiten. Hierzu gehört auch die Vorgehensweise bei der grenzüberschreitenden Versorgung von Patienten und der Problematik der Einschleppung von nosokomialen bzw. "ambulant erworbenen" MRSA. Pläne für die Durchführung gemeinsamer Aufklärungs- und Fortbildungsveranstaltungen wurden erarbeitet.

Die Gesundheitsämter können zur Initiierung von Aktivitäten im Rahmen des MRSA-net auf die volle wissenschaftliche Unterstützung durch die Koordinatoren zurückgreifen. Die MRSA-Koordinationsstellen werden ihre Arbeit als Ansprechpartner für Fragen und Probleme, vor allem aber zur Koordinierung der am "Runden Tisch" erarbeiteten Empfehlungen und Fortbildungsveranstaltungen aufnehmen. Die Ergebnisse der Arbeit werden in einem gemeinsamen Positionspapier niedergeschrieben und dienen als zukünftige euregionale Richtlinie.


Aktivität Status
Schaffung der euregionalen Koordinatorengruppe aktiv
Etablierung der Koordinationsstellen in Münster und Enschede" aktiv
Einbindung der Gesundheitsämter, Beennung und regelmäßige Treffen der Netzwerkbeauftrage aktiv
Einbindung der Laboratorien der Region aktiv
Treffen der Hygienebeauftragten Ärzte und Hygienefachkräfte der Krankenhäuser aktiv
Projektgruppe "Kassenärztliche Vereinigung" aktiv
Erfassung der Zuverlegergemeinschaften aktiv
Festlegung und Erfassung epidemiologischer Grunddaten durch die Krankenhäuser aktiv
Projektgruppe Kostenträger aktiv
Projektgruppe Altenheime aktiv
Projektgruppe sonstige Partner aktiv



2. Status quo: MRSA-Richtlinien und Forschung

Bild von DEr. Lisette van Gemert-Pijnen und DErs. Fenne Verhoeven, PhDE student Vier Jahre lang sind wir an der Universität Twente in den Niederlanden beschäftigt mit dem Betrieb eines Forschungsauftrags nach der Entwicklung eines optimalen MRSA-Netzes. Dazu gehen wir nach einer neuen Arbeitsweise vor: Wir betrachten MRSA-Richtlinien aus der Perspektive des Benutzers und nicht länger aus der Perspektive des Gesetzes. Also die wichtigste Frage ist: Wie können MRSA-Richtlinien geschrieben derart werden, dass Benutzers an beide Seiten der Grenze sie auch tatsächlich benutzen und in der richtigen Art und Weise anwenden? Forschung von Lisette van Gemert hat gezeigt, dass die heutigen MRSA-Richtlinien in den Niederlanden ungenügend auf die DEenk- und Arbeitsweise der Benutzergruppen abgestimmt sind.

Neue Arbeitsweise

Für unsere Forschung mit Bezug auf die Art und Weise, wie optimale Richtlinien entwickelt werden können, gehen wir nach einer neuen Arbeitsweise vor. Diese Arbeitsweise impliziert, dass wir das Problem, dass Personal die Richtlinien nicht einhält, als ein multidimensionales Problem betrachten. Es is nicht nur ein Problem des Dokumentes, sondern ein Zusammenspiel von mehreren verhaltenswissenschaftliche Faktoren: Kultur, Organisatorische Faktoren, Demografische Faktoren und Sozial-psychologische faktoren. Zusammen bestimmen diese Faktoren die Motivation um mit den Richtlinien einverstanden zu sein. Die Motivation bestimmt das endgültige Verhalten. Die beiden Ebenen, Dokumentation und verhaltenswissenschaftliche Faktoren, werden in der Analysephase erforscht.

Inhalte der Forschung

Die Inhalte der Forschung sieht weiter so aus:

Ein Vergleich von nationalen Richtlinien
Dokumentation
Eine Benutzerforschung nach dem Funktionieren der Richtlinien (Verhaltenswissenschaftlich)
Analyse
Die Entwicklung neuer Richtlinien
Entwicklung
Die Validierung der neuen Richtlinien
Validierung

Die Dokumentationsebene wird durch einen Vergleich von nationalen MRSA-Richtlinien verdeutlicht. Dadurch werden Unterschiede zwischen den Richtlinien ans Licht kommen. In der Analyse werden Richtlinien von sowohl Pflegeheimen und Krankenhäusern und, wenn verfügbar, auch für vom öffentlichen Gesundheitswesen aus den Niederlanden, Deutschland, England und den Vereinigten Staaten miteinbezogen. Wir werden keine Aussage machen über die Frage, ob die Richtlinien gut oder schlecht sind. Wir zeigen nur, welche Typen von Richtlinien es gibt.

Anschließend wird in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen unter verschiedenen Benutzergruppen in Deutschland und den Niederlanden eine Benutzerforschung betrieben. Anhand von Lagebeschreibungen sollen Versuchspersonen eine Lösung finden für ein MRSA-relatiertes Problem. Dann wird deutlich werden, welche Probleme es mit dem Funktionieren der MRSA-Richtlinien gibt.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse dieser Analyse werden neue Richtlinien entwickelt werden, welche durch eine Benutzerforschung validiert werden sollen. So sollen endgültige Richtlinien entstehen, die für alle brauchbar sind.

Wir haben gerade mit der ersten Phase angefangen. Aus dem Vergleich von nationalen Richtlinien stellt sich heraus, dass die Sichtweise von MRSA bestimmt hat, wie die Richtlinien aufgebaut worden sind.

Infection Disease Modell

Am Ende beabsichtigen wir, durch unsere Forschung ein so genanntes Total Quality Management Infection Disease Modell zu entwicklen. Ein Disease Modell ist ein Modell, in dem sowohl die behandelnde Person als der Patient berücksichtigt werden. Wegen des Auftretens von MRSA in der Gemeinschaft reichen Richtlinien für die Gesundheitseinrichtungen nicht länger aus. Es sollen auch Richtlinien für den Patienten entwickelt werden. Die Gemeinschaft/ die Bevölkerung kann mit Richtlinien für Pflegepersonal nichts anfangen.

Was impliziert/ bedeutet dieses MRSA-Netz für Sie?

Auf der Website werden verständliche, akzeptabele, validierte MRSA-Richtlinien verfügbar sein, die auf ihrem Bedarf basiert sein werden.


3. Status quo: "Fort- und Weiterbildung"

Die Krankenhäuser sollen durch das für sie zuständige Hygienefachpersonal (Hygiene-fachpflegekräfte, Krankenhaushygieniker, Infektiologen und Mikrobiologen) in Zusam-menarbeit mit dem zuständigen Gesundheitsamt und den MRSA-Koordinationsstellen zu MRSA intensiv fortgebildet werden. Insbesondere durch die grenzüberschreitende Sicht und die Chance, durch Teilnahme am Projekt die MRSA Prävalenz in der Region zu ver-mindern, soll die Akzeptanz zur Teilnahme und die Durchführung der notwendigen Hygie-nemaßnahmen gefördert werden. Andererseits sollen die Projektpartner die Möglichkeit haben, die verbesserte Qualität der Versorgung durch ihre Teilnahme nach außen hin zu kommunizieren. Insbesondere die Sensibilisierung der Patienten durch die aktive Aufklä-rung der Bevölkerung der Region durch den öffentlichen Gesundheitsdienst (z.B. MRSA-Mobil) wird den Krankenhäusern in der Region einen bedeutenden Standortvorteil garan-tieren. Die Teilnahme am Projekt könnte durch Führung eines einheitlichen Qualitätssie-gels unterstützt werden. Die Aufklärung zu den ambulant erworbenen CA-MRSA und die Verhinderung deren Ausbreitung wird zusätzlich grenzübergreifend zu einer Verminderung der Kosten des Gesundheitswesens führen.


Aktivität Status
Fort- und Weiterbildungveranstaltungen aktiv
Regelmäßige Treffen der Projektbeauftragten der Gesundheitsämter" aktiv
Fortbildung der Projektbeauftragten der Krankenhäuser aktiv
Fortbildung der Zuverlegergemeinschaften aktiv
Fortbildung von Personal der ambulanten Versorgung aktiv



5. Status quo: CA-MRSA

Die Dimension des MRSA-Problems wurde kürzlich dramatisch verschärft durch das Auftreten von MRSA-Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses erworben wurden (CA-MRSA). Letztgenannte stellen eine neue Stufe der Gefahr für die Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze dar, da sich die bisherigen Anstrengungen zur Be-kämpfung von MRSA in beiden Ländern auf die Krankenhäuser konzentrierten. CA-MRSA sind in der Lage auch bei gesunden Menschen außerhalb von Krankenhäusern schwere Infektionen zu verursachen, die in einigen Fällen tödlich enden können (z.B. fatale abszedierende Bronchopneumonien). Zusätzlich wird durch neuere Studien deutlich, dass der Anteil an MRSA auch außerhalb der Krankenhäuser ansteigt und in Arztpraxen, ambulanten Dialyseeinrichtungen sowie Alten- und Pflegheimen zu großen Problemen führt. Daher muss es zu einer Ausweitung der Maßnahmen auf den so genannten vor- und nachstationären Bereich kommen.

Früher oder später werden mit CA-MRSA besiedelte Menschen in Krankenhäuser aufgenommen und verschärfen dann dort die bereits schon bestehende MRSA-Situation. Das größte Hindernis hierfür ist bisher die fehlende Aufklärungsarbeit und die unzureichende Koordination der Hauptakteure im Gesundheitswesen, der fehlende Abgleich der Vorgehensweisen, die aus organisatorischen oder finanziellen Gründen fehlende konsequente Nachbetreuung nach Entlassung aus dem Krankenhaus sowie die oft unzureichende infektiologische Versorgung von MRSA Patienten.


Aktivität Status
Diskussion über Diagnostik und Schnellnachweise mit den Laboratorien der Region aktiv
Sequenztypisierung von CA-MRSA Isolaten aktiv
Molekulare Surveillance aktiv
Schaffung eines Frühwarnsystems aktiv
CA-MRSA Sentinal Praxen in der Euregio aktiv



6. Status quo: Molekulare Surveillance und Frühwarnsystem

Grundlage für die frühzeitige Erfassung und den Ausschluss einer nosokomialen Übertragung von MRSA ist die Durchführung eines MRSA Eingangsscreenings bei Risikopatienten. Dieses Screening wird durch die Laboratorien der jeweiligen Krankenhäuser durchgeführt. Mittels eines konzertierten Prävalenzscreenings in möglichst allen Krankenhäusern der Region sollen die Krankenhäuser in die Lage versetzt werden die bekannten Risikopatienten mit ihren individuellen Risikopatienten abzugleichen und das Screening - wo nötig - anzupassen.

Das Institut für Hygiene steht mit den wichtigsten Laboratorien der EUREGIO in Verbindung und stimmt eine einheitliche Typisierungsmethode ab. Die Typisierung erfolgt mittels einer neuartigen bioinformatischen Anwendung in Kombination mit modernen Labormethoden, die am Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster mitentwickelt worden ist und die weltweit zum ersten Mal eine kontinuierliche flächendeckende, vernetzbare und finanzierbare molekulare Erregersurveillance in Echtzeit möglich macht. Diese sogenannte spa-Typisierung lässt sich mit Hilfe einer integrierten Datenbank mit allen notwendigen epidemiologischen Informationen vernetzen.

Im Rahmen einer binationalen Vernetzung soll es zu einem gegenseitigen Transfer von Know-how, Technologie und Typisierungsdaten in der EUREGIO Twente/Münsterland kommen. Innerhalb der Datenbank werden lediglich Bakterien-bezogene und keine Personen-bezogene Daten ausgetauscht. Zusätzlich wird aus den gewonnen Typisierungsdaten ein automatisches Frühwarnsystem [Friedrich et al., 2004; Mellmann et al. 2006] etabliert, das die Partner auf ungewöhnliche Häufungen von MRSA auf Genotypebene aufmerksam machen soll bzw. zufällige Häufungen von MRSA ohne epidemiologischen Zusammenhang ausschließen lässt. Dieses Frühwarnsystem ermöglicht eine Evaluierung und Anpassung der Hygienemaßnahmen in der EUREGIO. In bestimmten Fällen wird es zu Frühalarmen kommen, um die Ausbreitung von sich schnell ausbreitenden Klonen innerhalb der Bevölkerung zu verhindern.


Aktivität Status
Festlegung von Qualitätskriterien aktiv
Sensibilisierung der niedergelassenen Ärzte aktiv
Prävalenzscreening in allen euregionalen Krankenhäusern November 2011
Sequenztypisierung von MRSA Erstisolaten und Isolaten aus Häufungen aktiv
Molekulare Surveillance durch Ergänzung der klassischen Epidemiologie mit Typisierungsdaten aktiv
Schaffung eines Frühwarnsystems für Häufigkeit und Frequenz der Erreger aktiv



7. Status quo: Qualitätsverbund und Schaffung langfristiger Strukturen


Aktivität Status
Festlegung von Qualitätskriterien für die Akteure im Gesundheitswesen in Bearbeitung
Überprüfung der Qualitätskriterien bei Akteuren des Gesundheitswesens durch die zuständigen Gesundheitsämter abgeschlossen 2008, nächste Überprüfung 2010
Information der Öffentlichkeit über Bedeutung des Qualitätssiegels abgeschlossen 2008, nächste Information geplant Ende 2009
Jährliche Vergabe des EUREGIO MRSA-net Qualitätssiegels abgeschlossen 2008, nächste Vergabe Ende 2010